Montag, 28. September 2015

SC Freiburg - Meine große Liebe (5)



Block GG, Reihe 4. Das eine Mal kann ich das schon verkraften.

Wenn man täglich mit seinen Kollegen zu tun hat, bleibt es nicht aus, dass man das ein oder andere Private von sich verrät. Ich als bekennende SC-Anhängerin, die regelmäßig im Stadion ist, spreche natürlich auch über meine Stadionbesuche. Letztes Jahr hat mich eine Arbeitskollegin gefragt, ob ich sie mal mit ins Stadion nehme. Sie ist eigentlich kein richtiger SC-Fan (noch nicht mal so richtig fußballbegeistert; kennt sich auch nicht so gut mit den Regeln aus), aber sie würde das einfach gerne mal erleben. Also haben wir ausgemacht, dass ich sie im Sommer mal mitnehme. Von ihr aus kam dann der Wunsch, dass ich ihr ein Trikot und Schal leihen und ihr auch das Badner-Lied (für sie als gebürtige Rumänin bis dahin unbekannt) beibringen muss; sie will ja schließlich mitsingen können. Einzige Bedingung, die sie gestellt hat: Sitzplatz. Ich als alte Nordgängerin war davon wenig begeistert, aber ich habe dann doch zwei Karten auf der Ost für das Sandhausen-Spiel besorgt. Block GG. Reihe 4. Das eine Mal kann ich das schon verkraften.

Als wir mit der Straßenbahn zum Stadion gefahren sind, meinte sie: „Boah, ist die voll!“, dabei hat man in der Bahn sogar noch laufen können. Als wir dann in der Menge Richtung Stadion gelaufen sind, war sie scheinbar völlig beeindruckt von all den Leuten, die rund ums Stadion unterwegs waren. Auf unseren Plätzen sitzend habe ich ihr dann ein bisschen das Stadion erklärt; wer auf welcher Tribüne ist; wann welche Mannschaft kommt und so weiter. Dann kamen schon die Spieler zum Aufwärmen. Man spürte, wie die Nord langsam unruhig wurde. Ja, genau das ist das, was ich am Fußball so liebe. Als das erste Tor durch Frantz fiel, sprangen wir auf und jubelten. Und auch beim Petersen-Tor. Und bei den Grifo-Toren. Und schon war das Spiel vorbei.


Blick aus Block GG. Kann man verkraften.

 Wir sind strahlend zurück zur Straßenbahn gelaufen. Plötzlich sagt sie: „Du wärst schon lieber auf der Nord gewesen, oder?“ Ja, das wäre ich tatsächlich. Was ein klasse Spiel: zur Halbzeit 3:0 führen, 4:1 gewinnen. Strahlender Sonnenschein. Toller Support von der Nord. Seit langem habe ich mal wieder gehört, dass die Nord und die Süd im Wechsel lauf „SCF“ rufen. Was für eine Gänsehautstimmung, genau dazwischen zu stehen (Verzeihung: zu sitzen) und einfach nur zu genießen. Es gibt kaum etwas Schöneres; außer man steht mitten auf Nord und singt lauthals mit.


Sie hat sich mehrfach bedankt, dass ich sie mitgenommen habe. Am Montag nach dem Spiel hat sie den Kollegen begeistert erzählt, was sie erlebt hat. Ja, ich glaube, ich konnte ihr zeigen, warum ich Fußball und vor allem den SC Freiburg so liebe. Rosi, ich nehme dich gerne wieder mal mit.
(Verena)

Ihr wollt auch erzählen, wie ihr SC-Fan wurdet? Schickt eure Geschichte einfach an scfreiburgfanbuch@gmail.com


9. Spieltag - Grifos Comeback und Abrashis Traumtor



9. Spieltag, Saison 2015/16 – Sonntag, 28.09.2015
SC Freiburg – FSV Frankfurt                       2:0 (1:0)

Schwolow – Mujdza, Höhn, Kempf, Günter – Abrashi (89. Schuster), Höfler – Frantz , Hufnagel (72. Grifo) – Philipp, Petersen (79. Kleindienst)

1:0 Philipp (39.), 2:0 Abrashi (49.)

Besondere Vorkommnisse: Petersen verschießt Elfmeter (31.)
Gelbe Karten:
Grifo (90.+2)
Schiedsrichter:
Bibiana Steinhaus
Zuschauer:
23.300
 
Man wacht morgens auf und fragt sich was man an so einem Sonntag tun soll. Ein wundervolles Herbstwetter draußen. Keine Verpflichtungen. Da könnte man doch rausgehen und den Tag genießen.
Geht leider nicht wenn man SC-Fan ist und dieser um 13:30 Uhr gegen den FSV aus Frankfurt spielt. Die Zeit bis zum Anpfiff war relativ einfach zu überbrücken. Essen, nebenher „Doppelpass“ laufen lassen, den Kopf über den „Doppelpass“ schütteln und irgendwann dann auf Sky umschalten und die Vorberichte anschauen.

Als Sky dann zum ersten Mal nach Freiburg geschaltet hat, war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich bereut habe, dass ich nicht ins Stadion gegangen bin. Perfektes Fußballwetter, dass die geschätzten 23.000 Zuschauer in eine schöne Atmosphäre versetzt hatte. Ich wurde dann direkt durch die Aufstellung wieder etwas positiver gestimmt. Hufnagel für Guédé ist in einem Heimspiel gegen einen schlagbaren Gegner sicherlich die richtige Entscheidung. Ach ja, der Gegner: die Frankfurter haben noch kein Gegentor auf fremden Platz bekommen. Also nach Bielefeld die nächste auswärtsstarke Mannschaft, die nach Freiburg gekommen ist. Meine Euphorie wurde also direkt wieder etwas gebremst.

Nicht desto trotz ging ich mit dem Anspruch ins Spiel, dass "unser aller SCF" ein Heimspiel gegen den FSV Frankfurt gewinnen muss. Ich wusste aber auch, dass sich die Mannschaft wahrscheinlich schwer tun wird. Ich bin ein wahrer Experte. Bis zur 30 Minute war‘s nämlich auch ein Spiel auf Augenhöhe,  dass eigentlich keine Höhepunkte hatte. Obwohl, der Diagonalball in der 4. Minute, der von Kempf auf Frantz geschlagen wurde, war schon ziemlich cool. Ab der ca. 18. Spielminute hat der SC dann festgestellt, dass die Frankfurter den Ball verlieren, wenn sie entsprechend im Aufbau unter Druck gesetzt werden. So hat man dann einige Ballgewinne verzeichnen können, aber in Torgefahr konnte man das noch nicht umsetzen. Frau Steinhaus, die die Partie recht gut leitete, verwehrte Philipp dann einen Strafstoß, der natürlich auch keiner gewesen ist. Gut gesehen, Frau Steinhaus. Philipp ist neben Frantz zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich auffällig, der SC dann schon besser als Frankfurt, kann jedoch noch nicht konkret für Torgefahr sorgen.

Wenig später gab‘s dann aber den Elfmeter, weil Höfler gegen Oumari zu Fall kam. Ich hab sofort gesagt, dass das kein Elfer war. Nach der Zeitlupe bin ich dann meinungsmäßig in Richtung "kann man geben" abgedriftet, wobei ich mich wahrscheinlich nicht beklagt hätte, wenn die Pfeife stumm geblieben wäre. Naja, Petersen hat dann auch ziemlich kläglich vergeben. Ich bin sowieso nicht so überzeugt von seinen Elfmetern. Ich hätte hier gerne wieder jemanden wie Caligiuri oder Aogo, die die Dinger einfach humorlos und vor allem unhaltbar in die Maschen hauen. Dennoch kamen nach dieser Situation dann auch Torchancen. Hufnagel spielt einen Sensationspass in den gut eingelaufenen Frantz. Der scheitert dann aber an dem Frankfurter Torwart Weis. Kurz danach nochmal ein wundervoller Diagonalball von Höfler auf Günter, der schön zurücklegt, was zu einem Freistoß in guter Position führt. Der Freistoß war dann aber schwach getreten. Philipp der insgesamt immer besser wurde, machte dann aber mit einem sehenswerten Schuss aus der zweiten Reihe das verdiente 1:0. Danach gab es nochmal eine recht gute Chance für Frantz. Der abgefälschte Schuss landete aber knapp neben dem Frankfurter Kasten.

Zur Halbzeit war ich also zufrieden. Spätestens ab der 30. Minute war man besser als der FSV und führte auch aus meiner Sicht verdient mit 1:0.

Die 2. Halbzeit begann damit, dass es mich vom Sofa geworfen hat. Abrashi erobert sich den Ball, läuft auf rechts durch, zieht nach innen und haut das Ding vom kurzen Innenpfosten ins Tor. Eine Traumbude. Wundervoll, auch wenn Abrashi wohl bei der Balleroberung die Hand zu Hilfe genommen hat. Leider sorgte dies erstmal nicht dafür, dass der SC das Spiel souverän herunterspielte. Der FSV stemmte sich gegen die Niederlage und hatte direkt nach dem Ausgleichstreffer etwas Übergewicht. Dann hatte Mike Frantz mit seinem Kopfball wieder eine gute Chance. Frankfurt gab sich aber nicht auf und hatte noch ein paar Szenen wo sie gefährlich vors Freiburger Tor kamen. Die größte war hierbei der Schuss von Schahin aus kurzer Distanz, den Schwolow aber parieren konnte. Wobei: eigentlich wurde Schwolow von Schahin angeschossen. Riesendusel für den SC.

Äußerst positiv, dass Grifo wieder mitspielen kann. Er wurde für Hufnagel eingewechselt. Mit Grifo kamen dann wieder die von mir verhassten kurzen Eckbälle wieder. Negativer Höhepunkt war dann ein Eckball, den Grifo flach in den Sechzehner zu einem Gegenspieler schiebt. Im Spiel hab ich das Ding als den schlechtesten Eckball aller Zeiten betitelt. Lieber Streich im Breisgau, bitte, bitte befreie uns von dieser Art der Eckenausführung.

Am Schluss gab‘s dann noch zwei Riesenchancen nach Kontern für den SC. Da muss eine rein. Vorzugsweise die Chance von Grifo. Aber auch als Günter auf den Sechzehner zu läuft und rechts zu Kleindienst legt, wäre ein Tor drin gewesen. Die zwei Frankfurter Verteidiger haben sich dort gut gestellt und die Halbräume zugestellt. Wahrscheinlich wär‘s am besten gewesen, wenn Günter durch die Mitte durchgelaufen wäre oder direkt aufs Tor geschossen hätte. Die Schussbahn war frei.
Dennoch konnte man das Ding nach Hause schaukeln. Ein hochverdienter Sieg. Ich bin ziemlich zufrieden mit der Mannschaft. Ich hatte befürchtet, dass nach dem nervenaufreibenden Spiel am Donnerstag, den damit verbundenen Reisestrapazen und der kurzen Regenerationszeit die Mannschaft deutlich mehr Probleme heute hätte. Doch ich wurde abgestraft und auch überzeugt.

Dennoch war nicht alles gut. Petersen muss den Elfer versenken. Die Frankfurter dürfen in der 2. Halbzeit nicht in die Positionen kommen, die sie hatten bzw erreichen hätten können, wenn sie es besser ausgespielt hätten. Zum Schluss muss natürlich das 3:0 gemacht werden. Längerfristig gedacht kann gegen einen stärkeren Gegner so was genutzt werden.

Zu den Spielern:
 
Schwolow: Unaufgeregt ohne Auffälligkeiten. Da gibt‘s nix zu meckern.

Günter: Mit Licht und Schatten. Defensiv verliert er manchmal Zweikämpfe die er nicht verlieren darf. Dafür hatte er offensiv doch einige gute Ansätze. Durchschnittliche Leistung.

Mujdza: Unaufällig und recht souverän. War okay.

Höhn: War gut heute. Zeigt endlich, dass er definitiv das Zeug zum Profi hat.

Kempf: Absolut solide. Gefallen haben mir zwei oder drei gute lange bzw. Diagonalbälle. Man kann nur hoffen dass er gesund bleibt. Die Spielpraxis wird ihn besser machen.

Abrashi: Mit sensationellem Tor. Auch sonst sehr unangenehm für die Gegenspieler. Ein Wadenbeißer.

Höfler: War auch gut. Hat den Elfmeter rausgeholt. Für ihn ist die 2. Liga momentan das genau richtige. Er hat einen ordentlichen Sprung gemacht und kann sich noch weiter entwickeln. Um ehrlich zu sein, hab ich ihm das in der Form nicht zugetraut.

Frantz: War für mich mit Philipp der beste Freiburger. War enorm aktiv. Kam in Abschlusssituationen. Hat Sachen vorbereitet. Beste Saisonleistung meiner Meinung nach.

Philip: Wird immer besser. Er bereitet Tore vor und bekommt langsam für sich selber auch mehr Torgefahr in sein Spiel. Die 2. Liga kommt ihm auch sehr gelegen in Hinblick auf seine Weiterentwicklung. Das wird mal ein Bundesligaspieler.

Hufnagel: Für sein Alter war das eine ordentliche Leistung. War eher unauffällig bis auf den extrem guten Antritt inklusive Traumpass auf Frantz in der ersten Halbzeit.

Petersen: War unaufällig, wie das gegen solche Gegner noch öfter der Fall sein wird. Aber er hat viel gearbeitet und hat sich auch hinten blicken lassen. War okay.

Grifo: War extrem heiß und hatte einige gute Aktionen. Tut unserem Spiel gut und wir brauchen ihn. Die gelbe Karte am Schluss war natürlich unnötig. Eine Kiste Bier für die Mannschaft.

Kleindienst: War wie Petersen eher unauffällig. Hatte dennoch eine recht gute Chance. Er braucht noch Zeit, wird die aber auch bekommen.

Schuster: Schön, dass er noch reinkam. Allerdings konnte er natürlich in den paar Minuten auch nicht mehr viel reißen.
 


Ganz am Schluss sei nochmals festgehalten, dass der Sieg hochverdient und nach zwei sieglosen Spielen zuletzt sehr wichtig war. Man kann nun mit Selbstvertrauen nach Karlsruhe fahren.
(Viehdieb)

Wie im Film (10)



Wer weitere Filmplakate sehen möchte: auf der Facebook-Seite "SC Freiburg Filmcover" gibt es sie alle zu bestaunen.

8. Spieltag - Rasenball mit roten Bullen



8. Spieltag, Saison 2015/16 – Donnerstag, 24.09.2015
RB Leipzig – SC Freiburg              1:1 (0:1)

Schwolow – Mujdza, Höhn, Kempf, Günter – Abrashi, Höfler – Frantz (90.+2 Kath), Philipp (70. Hufnagel) – Guédé (85. Kleindienst), Petersen

0:1 Petersen (29.), 1:1 Selke (47.)

Gelbe Karten: Mujdza (77.), Günter (90.)
Schiedsrichter:
Benjamin Cortus
Zuschauer:
26.000

RasenBall oder doch eher Rasenschach? Weder noch lautet das Fazit nach der sehr intensiv geführten, teilweise auch wilden Partie zwischen den unangefochtenen Marktwertführern der 2. Bundesliga in der Leipziger Red Bull Arena.
Und wer taugt nun eigentlich besser als Alphatier der zweithöchsten deutschen Spielklasse: das schlaue Füchsle oder doch der wuchtige Stier? Die Antwort muss nach dem unterm Strich leistungsgerechten 1:1 womöglich bis zum Rückspiel oder gar noch länger vertagt werden.

Durchaus licht waren die Sitzschalen in der schmucken Spielstätte auf dem Grund des einst mächtigen Zentralstadions frequentiert, als die beiden ehrgeizigen Mannschaften das Spielfeld betraten. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sich doch die beiden Top-Anwärter um den Aufstieg ins Oberhaus erstmals überhaupt im bezahlten Fußball gegenüberstanden.
Als Bewährungsprobe, Standortbestimmung oder Gradmesser war die Partie für den Tabellenzweiten aus dem Freiburger Osten bei der geldgeschwängerten Betriebssportgemeinschaft eines österreichischen Getränkedosenmagnaten im Vorfeld betitelt worden. Nach 90 + 2 Minuten, die den Spielern vor allem körperlich alles abverlangten kann man dem SCF mit Fug und Recht das Prädikat "Bestanden" ausstellen. Doch der Reihe nach:

"Fachkraft für Retortenclubs aller Art"
In den ersten 20 Minuten sah "Bullenflüsterer" Ralf Rangnick nach eigenem Bekunden eine ängstliche Stierhorde. Exemplarisch führte er in der Nachbetrachtung eine Szene an, in der Ilsanker erst mehrfach den Ball in der eigenen Hälfte nicht unter Kontrolle bringen konnte und dann auch noch den Freiburger Jungbullen Günter umpflügte - sicherlich das kuriose Highlight nicht nur der Anfangssequenz sondern der gesamten Begegnung. Den ausgegebenen Matchplan sah der schwäbische "Prof" -seines Zeichens Fachkraft für Retortenclubs aller Art- bereits nach 5 Minuten durchkreuzt, als Petersen nach einem langen Zuspiel stabil blieb, sich gut gegen den bereits erwähnten Ilsanker durchsetzte und mit einem satten Flachschuss aus halbrechter Position das Tor nur knapp verfehlte.
Abschlüsse der Freiburger zu verhindern stand doch auf der Bullen-Agenda. Doch alsbald sollten, jeweils nach Ecken, weitere folgen. Allerdings gelang es weder Frantz mit einem Kopfballaufsetzer (12.) noch Höhn mit dem langen Bein nach Ablage von Philipp (18.), den gut reagierenden Coltorti zu überwinden.

Auf der Gegenseite leitete ausgerechnet eine etwas verunglückte Faustabwehr Schwolows die beiden besten Leipziger Chancen in Halbzeit 1 ein. Allerdings machte der junge Sportclub-Goalie seinen Fehler mehr als wett, indem er erst Halstenbergs "Volley-Parabel" mit einem katzengleichen Sprung aus dem Winkel kratzte und dann beim anschließenden Eckball in Allianz mit dem Torpfosten einen Sabitzer-Kopfball per gutem Reflex entschärfte. Die "RasenBallisten" schienen Mitte der 1. Halbzeit langsam auf Betriebstemperatur zu kommen und einen Taurinüberschuss gewinnbringend in die Waagschale werfen zu können. Mit gnadenlosem Gegenpressing trieben sie die Fehlerquote der Freiburger in die Höhe. Zunehmend agierten diese nun zu überhastet in Ballbesitz, waren nicht beweglich genug und verloren Mitte der ersten Halbzeit allmählich den Zugriff. 

"Stürmer ohne herausragende Qualitäten"
Just als man Gefahr lief, der zu Beginn des Spiels demonstrierten Zweikampfhärte verlustig zu werden, machte es Zack- Zack - Zack - Zack und das Spielgerät zappelte wie selbstverständlich im Netz der Leipziger. Bulls Eye sozusagen! Der Stürmer ohne herausragende Qualitäten -für den ein oder anderen Freiburger Fan hingegen einfach ein geiles Stück DNA- hatte den besten Freiburger Angriff des Abends selbst lanciert mit einem Pass auf Guédé, dieser seinerseits Philipp aufgelegt, welcher sich aufmachte, leichtfüßig über die Bullenweide zu spazieren, um schließlich NP18 präzise in den Lauf zu spielen, der das Zuckerpässchen trocken mit einem humorlosen Flachschuss zum 0:1 veredelte. Nils Petersen hatte für die Roten Bullen spätestens in Minute 29 die Gestalt des Roten Tuchs angenommen. Dies mundete Ralf Rangnick und dem erfolgsverwöhnten Anhang sicher so gut wie manch Anderem gekochte Stierhoden.
Die Bullen schüttelten sich kurz und schnaubten dann einige Zeigerumdrehungen später vor Wut, als Orban und Selke in Minute 39 den Ball mit allen möglichen Körperteilen über die Linie stocherten, dem vermeintlichen 1:1 aber die Anerkennung wegen Abseits verweigert wurde; eine strittige Szene, die echte und Möchtegern-Regelkundler wohl bundesweit den restlichen Abend beschäftigen und möglicherweise gar den gesundheitsfördernden Schlaf rauben sollte.

Die Freiburger Reisegesellschaft verwaltete nach dem Leipziger Nicht-Treffer die schmale Führung bis zum Pausenpfif souverän. Mit dem etwas schmeichelhaften, wenn auch nicht unverdienten 1:0 im Rücken und dem Wissen, dass RB Leipzig unter der Spielleitung von Benjamin Cortus in der Vergangenheit noch nie als Sieger vom Platz gegangen war, kehrte man in Minute 46 entspannt aufs Feld zurück - eventuell etwas zu entspannt, wie sich nur 90 Sekunden später zeigen sollte. Der agile Diego Demme hatte eine Lücke in der dichtgestaffelten, vielbeinigen SC-Abwehr gefunden und auf den brav von Höhn und dem schwächelnden Frantz flankierten, sträflich freien Selke durchgesteckt, der nicht lange fackelte und den Ball elegant am komplett chancenlosen Schwolow vorbei zum vielumjubelten Ausgleich ins lange Eck schlenzte. Erneut hatte der SC im Zeitkorridor 45. - 60. Minute ein Tor geschluckt, bereits das 4. im 8. Saisonspiel und man musste nun etwas Angst haben, wenn man es mit dem SC hielt. Geschickt variierte Ralf Rangnicks Mannschaft nun Tempo und Spielrhythmus, während die SC-Elf wie das Kaninchen vor dem Bullen zunehmend in Passivität verharrte. Wie lange sollte man sich noch im Sattel halten können bei diesem wilden Rodeo-Ritt?

Alles was zwei Beine und das Herz am rechten Fleck hatte, half nun hinten aus. Nicht selten konnte man vor allem während der zweiten Hälfte den Eindruck gewinnen, dass Philipp und Frantz beim Spiel gegen den Ball oft sogar tiefer standen als die nominellen AV Mujdza und Günter. Davon ausgehend, dass dieses Formationsspiel von Streich gewollt war, um die Räume am eigenen Strafraum so engmaschig wie nur möglich zu machen, muss man konstatieren, dass diese taktische Variante nur bedingt aufging, erwiesen sich die Offensivaußen in ihrem Defensivverhalten doch durchaus als fehleranfällig.

Hatten Philipp und Abrashi mit einer Doppelchance in Minute 58 noch für ein offensives Lebenszeichen der im gewöhnungsbedürftigen "Erzgebirge Aue-Look" angetretenen Breisgauer gesorgt, tauchte der Tabellenzweite fortan nur noch sehr sporadisch in des Gegners Hälfte auf. Daran sollte sich bis zum Spielende nichts ändern, geriet der Vortrag in eigenem Ballbesitz doch einfach zu unpräzise und unkontrolliert. Auch schien es so, dass man sich auf Grund schwindender Kräfte schon recht früh auf die Sicherung zumindest eines wertvollen Punktes bei den ambitionierten Messestädtern verlegt hatte. Dieses durchaus riskante Unterfangen ging letztendlich gut, da die Sachsen zwar Schneid, Courage und beeindruckendes Laufvermögen bewiesen, im letzten Spieldrittel aber oft nicht zwingend genug agierten. Und kamen sie vereinzelt zum Abschluss, dann war stets Schwolow auf dem Posten, der an dieser großen Aufgabe wuchs, was die schönste und positivste Erkenntnis eines Unentschiedens mit einer Nuance Glück für den Sportclub ist - in einem echten Zweitligaspitzenspiel auf Bundesliganiveau.
(Olli aus Schopfheim)